11 Comments

  1. Inger
    7. Dezember 2013 @ 10:19

    Danke für deine ehrlichen Gedanken die mich zum nachdenken bringen!
    Deine „Lösung“ im letzten Absatz ist nur leider genau so Augenwischerei wie die vorher aufgeführten Theologien! „Ob Gebet wirkt merkst du erst wenn du es ausprobierst!“…
    Ich finde, dass es eher einen seelsorgerlichen, begleitenden Ansatz braucht. Dazu gehört die Offenheit und Liebe, um seinen Frust überhaupt sagen zu können und die Geduld miteinander auf dem Weg zu bleiben. Im Gebet zu bleiben – füreinander zu beten – einander zu (er-) tragen.
    – Inger

  2. wirsindmosaikde
    7. Dezember 2013 @ 10:38

    Ah, interessant! „Gebet wirkt, wenn du es ausprobierst“ ist definitiv eine weitere Strategie, die sich der unangenehmen Auseinandersetzung entzieht. Das war aber nicht das, worauf ich hinaus wollte. (Ich hatte schon einen anderen Post in der Pipe, der dadrauf eingeht und habe hier daher gar nicht in die Richtung gedacht, um sowas zu vertiefen =) Aber der Punkt ist sehr relevant.

    Mir ging es eher darum, dass angenommen jemand hängt das Gebet an den Nagel (um an Gott glauben zu können), dass dann theologische Konstrukte möglicher Weise keine Brücke zurück zum Gebet sein können. Der Zugang muss anders geschaffen werden.

    Vielleicht ist hier der Wert von Community gefragt: Wer nicht mehr beten kann, der braucht andere, die für und mit ihm beten. In die Richtung würde ich den Gedanken von „ausprobieren“ weiterdenken…

  3. daniyal
    7. Dezember 2013 @ 11:33

    Die verschiedenen Ansätze bringst du auf den Punkt. Doch war der letzte Absatz nicht ganz befriedigend.
    „Keine noch so gewiefte Theologie des Gebets kann uns letztlich vor dem Schmerz bewahren, den Gebet mit sich bringen kann.“
    Wenn ich aus der Bibel entnehme, dass Jesus Verheißungen uns zuspricht wie „bittet und es wird euch gegeben“ „bittet in meinem Namen und es wird euch gegeben werden“ „Alles, um was ihr auch betet und bittet, glaubt, dass ihr es empfangen habt, und es wird euch werden.“ komme ich doch etwas ins zweifeln, ob meine Theologie von Gebet etwas verzerrt ist…Und wenn wir mal die Verheißungen so stehen lassen, fällt mir ein Daniel ein, der mit seinen Freunden für den Traum und die Auslegung vom König bat und sie wurde ihm gegeben oder ein Paulus, der ein Dorn im Fleisch hatte und er bat dreimal (offensichtlich wurde das Gebet so bei ihm nicht erhört, aber es kam eine klare Antwort, warum es nicht erhört wurde). Es muss tatsächlich nicht immer so passieren, wie wir uns es erhoffen, aber ich bin etwas müde von den Deutungen, die wir dann anstellen „in welchem Wind Gott uns doch gesagt hat, das er uns wie Hiob etwas lehren möchte“ – mit „Wind“ meine ich Gottes Reden in den verschiedenen Ausdrucksformen, die wir uns manchmal nicht so vorstellen…

    anyways…um zurück zum Text zu kommen:
    „Das Dilemma mit dem Gebet ist nicht in der Theorie zu lösen. Gebet muss praktiziert werden. Gebet muss gelebt werden. Es kann gelernt werden und es kann vorgelebt werden. Wir können einander dazu ermutigen und inspirieren. Und doch ist es eine tiefe persönliche Sache.“
    Das hört sich nicht viel anders an als der erste Absatz:
    „Gebet bewirkt etwas in dir… .“ Ob ich jetzt das Gebet als ‚Zugang zum inneren Frieden‘ oder den ‚Zugang zum Allerheiligsten‘ nenne macht schon fast keinen Unterschied, oder!? Der Buddhist meditiert auch dahin und betet – und es ist eine tiefe persönliche Sache…
    Das Wirken, Reden und v.a. Reagieren Gottes bleibt mir ein Mysterium und doch komm ich in all meinem Fragen zu dem Punkt wie Petrus: Herr, wohin sonst sollte ich gehen…

  4. Jason
    7. Dezember 2013 @ 12:59

    Also die Geschichte mit dem Wind ist mir noch nicht unter gekommen. Aber wenn etwas erhofft oder erbetet wurde und nicht eintrifft, dann bin ich ebenfalls müde, wenn man dafür Deutungen oder Erklärungen anführen möchte. Mysterium ist ein toller Begriff dafür. Und Mysterien kann man entweder umarmen (und erkennt damit an, dass man es nicht klären kann), oder man kommt zu falschen Ergebnissen…

    Dieses Umarmen ist meiner Meinung nach persönlich in dem Sinn, dass es eine einzigartige Geschichte zwischen mir und Gott ist, die nicht wie eine Maschine „funktioniert“. Es ist persönlich, weil es im echten Leben stattfindet, nicht in einer abstrakten theoretischen Diskussion. Das meint aber natürlich nicht, dass Gebet vereinfacht nur etwas in mir bewirken muss…

  5. Eun-San
    7. Dezember 2013 @ 16:23

    Ich würde Gebet auch als Teilnahme am mysteriösen Tanz des dreieinigen Gottes verstehen. Die Bibel gibt schließlich Zeugnis davon, dass Vater, Sohn und heiliger Geist durch Gebet miteinander kommunizieren. Vielleicht ist es ein urtümlicher Impuls, der göttlichen Einladung zum Einstieg in diese gemeinschaftliche Einheit zu folgen – eine Einheit, die darauf abzielt, alles einzuschließen (1.Kor 15,28).
    Eine Erklärung für die „Funktionsweise“ von Gebet ist das natürlich nicht. Ich bleibe aber einmal bei der Tanz-Analogie und kreise so ein wenig um das Geheimnis:
    Wenn wir beten, wenden wir uns an den, der im Begriff ist, die Fragmentierung der Welt aufzuheben, stolpern vielleicht unbeholfen hinein in diese Choreographie der Heilung und hoffen aber, sie immer besser zu beherrschen, denn sie ist nun einmal schöner, wenn Gottes Geschöpfe dabei sind. Einheit mit Gott, der Schöpfung, den Mitmenschen und mit uns selbst sind Komponenten ein und desselben Tanzes.
    Hm, kein Plan…

  6. Beten | theolounge.de
    20. Mai 2014 @ 15:24

    […] Ist es nicht so, dass das (nichterhörte) Gebet empfindliche Wunden zufügen kann?…>mehr. […]

  7. Ismael Kluever
    22. Mai 2014 @ 09:51

    Vieles richtig auf den Punkt gebracht! Ein Aspekt fehlt jedoch:

    Beten ist nicht nur Bitten!

    • wirsindmosaikde
      22. Mai 2014 @ 11:15

      Servus Ismael, vielen Dank für die Anmerkung. welcher Aspekt wäre dir noch wichtig?

      • Ismael Kluever
        22. Mai 2014 @ 15:12

        Zum Beten gezhört z. B. auch die Anbetung.
        Also das, was bei einem sich liebenden Paar die Zärtlichkeit ist.
        Und da frag man ja auch nicht, ob es „was bringt“. 😉

        • wirsindmosaikde
          22. Mai 2014 @ 15:26

          Stimmt, darüber würde es sich lohnen nochmal nachzudenken. Erster Gedanke: Gerade bei Anbetung fragen Christen gerade nach dem „was bringt es“. Anbetung ist längst zu einer Konsumware geworden…hmm

          • Ismael Kluever
            22. Mai 2014 @ 16:16

            Anbetung eine „Konsumware“?
            Das wäre ein Paradoxon.

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