3 Comments

  1. Jason
    29. November 2013 @ 22:40

    Einige Gedanken:
    Luther hat die Bibel durch eine „Christusbrille“ gelesen, was aber im Grunde der Versuch war, die ganze Bibel durch den Fleischwolf „Rechtfertigung aus Glauben“ zu drehen – ungeachtet dessen, ob das die Fragestellung war, die andere Bibelautoren bewegt haben. Luthers Ausgangsfrage war, wie wir einen gnädigen Gott bekommen. War das ein Problem für die Evangelisten? Für Paulus? Für Jesaja?

    Der „Papierpapst“ wurde später ja zu einer Lehre über die Unfehlbarkeit und Autorität der Schrift ausgearbeitet, zur Verbalinspirationslehre. Man unterschied zwischen Menschenwort (das der katholischen Gelehrten) und Gottes Wort (der Bibel) – verrate ich schon etwas über deine nächsten Posts? – Bringt uns diese Unterscheidung weiter?

  2. Eun-San
    30. November 2013 @ 12:11

    Luthers Erlebnis war, soweit es nachvollziehbar ist, „echt“. Er hat am eigenen Leib erfahren, dass er aus Glauben gerechtfertigt wurde. Unabhängig davon, was die biblischen Autoren im Sinn hatten, haben die Texte eine Wirkung, die über den Horizont ihrer Absichten hinausgeht – das ist mit Blick auf die Dynamik zwischen Verfasser, Text und Leser normal. Sinn entfaltet sich beim Lesevorgang nun einmal im Zusammenspiel zwischen den Instanzen. Als Christen glauben wir darüber hinaus ja auch, dass der Heilige Geist seine Finger im Spiel hat.
    Problematisch wird es, wenn man persönliches Erleben zur Norm erhebt, und Luther scheint tatsächlich davon ausgegangen zu sein, dass seine Erfahrung universell war, dass die Schrift zu allen auf dieselbe Weise spricht, wenn man sich ernsthaft mit ihr auseinandersetzt.
    Ich denke, es ist wichtig, sich der eigenen Gebundenheit an eine bestimmte Perspektive, bedingt durch den eigenen Standort, bewusst zu werden. Das hat Luther (und mit ihm etliche andere) sicher vermissen lassen.

    Du sprichst noch ein anderes wichtiges Thema an, wie ich finde: Christusbrille ist nicht gleich Christusbrille. Die meisten christlichen Theologen würden behaupten, dass sie christozentrisch orientiert seien. Aber sie meinen bestimmt nicht alle das Gleiche damit.

    Zur Entwicklung der Inspirationslehre werde ich wahrscheinlich noch ein paar Worte verlieren.

    • Jason
      30. November 2013 @ 14:24

      Vielleicht ist das aber auch ein bisschen dieses andere Extrem: Ich erschließe mir meinen eigenen Sinn – und nenne das „vom Geist offenbart“? Wenn ein und derselbe Text zu allen etwas anderes sagen kann (über den Horizont der Autoren hinaus), wo ist dann das Korrektiv?

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